Marcus Flach kennen wir von den Duisburg Thunderbirds. Spiele in Duisburg sind aufgrund der Kulisse immer etwas besonders, wenn man auf „Pott-Romantik“ steht. Heute spielt er in der GFL Süd bei den Ravensburg Razorbacks.

  Marcus Flach kennt sich in allen Bereichen des American Football aus, denn er ist Spieler, Trainer, Referent und hat einen eigenen Online-ShopMarcus Flach kennt sich in allen Bereichen des American Football aus, denn er ist Spieler, Trainer, Referent und hat einen eigenen Online-Shop (Foto: Eyke Wohlbold - www.wohlbold.photography)

Marcus hat in seiner noch jungen Karriere schon einiges gemacht: Er begann als Jugendspieler bei den Duisburg Dockers mit dem American Football. Das war im Jahre 2011. 2014 wechselte er in die Herren der Thunderbirds, die aus den Dockers entstanden sind. 2015 ging es wieder in seine Heimat nach Baden-Württemberg. Hier spielte er in der Oberliga von 2015 bis 2020 bei den Tübingen Red Knights. Er wurde von einem Scout der Ravensburg Razorbacks angesprochen und konnte sich im Rahmen eines Tryouts für das GFL Team bewähren. Auch an der Sideline ist er zu Hause. Marcus hat da alles durch, wenn man an Jugend-, Herren- und Damenteams denkt. Eine genaue Liste der Stationen haben wir unten eingefügt. 

 

Seine Lieblingsfrage als Referent: „Wann habt ihr das letzte Mal euern Helm gereinigt?“

Marcus ist auch noch auf zwei weiteren Seiten aktiv. Zum einen ist er Referent beim Verband und zum anderen hat er einen Online-Shop für American-Football Artikel. Beim Verband, dem AFCVBW, ist er Referent für den Lehrgang der Assistenztrainer und hat somit gute Informationen und Kontakte. Der AFCVBW ist seiner Meinung nach auf einem guten Weg und sagt: „Wir haben Markus Würtele, der ist neu dabei. Er geht meiner Meinung einen guten Weg. Hier werden Ideen und Veränderungen auf den Weg gebracht und andere Dinge werden in den Fokus gerückt. Das finde ich sehr gut. Nicht alles ist bereits veröffentlich.“ Hier beim Verband kann er auch sein Spezialwissen einbringen, denn ein Teil seiner Aufgabe beschäftigt sich mit dem Thema „Ausrüstung“.  Marcus erzählt uns: „In dem Bereich Ausrüstung hat sich in den letzten zehn Jahren viel getan, aber der Wissenstand ist bei vielen Leuten der gleiche geblieben. Da möchte ich gerne sensibilisieren. Es wäre schon, wenn die Verbände so alte Knochen wie einen ‚VSR4‘ aus dem Verkehr ziehen würden. Es gibt noch viel zu viele Menschen, die mit alten oder kaputten Helmen unterwegs sind.“ Es gibt im Deutschen Football keine Liste mit sicheren Helmen, wie in der NFL.  Auch gibt es in Deutschland kein regelmäßiges „Helm – Reconditioning“, einer Art Inspektion und dem Austausch von kaputten oder Verschleißteilen. Alles sollte jedoch zur Gesundheit und der Vorbeugung vor Verletzungen der Spieler gemacht werden. Sein Wissen hat er sich selbst angeeignet, nicht nur über den im Jahr 2018 gegründeten Online-Shop (https://www.panda-sport.de). Gerne stellt er in den Lehrgängen die Frage: „Wann habt ihr das letzte Mal euern Helm gereinigt? Oder habt ihr den Helm schon einmal gereinigt?“. Fast keiner macht so etwas, aber Marcus weist darauf hin, wie wichtig es ist, für den Sport eine gute, intakte und möglichst saubere Ausrüstung zu haben. Bei der Reinigung und Pflege sollte man auch Verschleißteile austauschen, Schrauben nachziehen oder die Polster genauer inspizieren. Jedes Team sollte beim Gameday oder im Training ein Sortiment mit Ersatzteilen vor Ort haben, denn das gehört auch zur Professionalität des Sports. Auch die Shoulder Pads sollten regelmäßig gereinigt werden. So kann man bei vielen die Polster herauslösen und einzeln reinigen. Das sollte in der Offseason erfolgen, denn die Teile trocken erst nach mehreren Tagen vollständig. Seine Handschuhe wäscht er in der Waschmaschine (bitte auf Herstellerangaben achten!).

 

Von der Verbandsliga in die GFL

Sportlich ist es bei ihm sehr gut gelaufen. In der Jugend begann er als Defensive End und unternahm bei den Herren einen Ausflug in die O-Line. Heute spielt er wieder in der Defense als Nose Tackle. Ligatechnisch startete er in der Verbandsliga wechselte in die Oberliga und ist heute in der GFL angekommen. Der Grundstein für seine Entwicklung sieht er in Duisburg und sagt: „Das was ich kann, dass verdanke ich meinen Jugendtrainern in Duisburg, Simon Unkhoff und Florian Probst. Diese Zwei haben mir das Handwerkszeug gegeben, um mitspielen zu können. Du musst deinen Coaches vertrauen und sie haben mir den Sport sehr gut beigebracht. Simon und Floh haben mich zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin. Wenn du ein Ziel hast, dann ist es wichtig nicht aufzugeben. Es ist der falsche Ansatz zu sagen, ich kann etwas nicht oder ich bin frustriert, da ich nicht spiele. Das ist meiner Ansicht der größte Fehler. Man muss an sich arbeiten und sich immer neu beweisen. Ein Tipp, den ich gerne Spielern mitgeben möchte, ist wenn Trainer dich bitten eine andere Position zu spielen, egal ob du es willst oder nicht, mach es einfach! Sie haben Erfahrung und können erkennen, welche Position für einen besser geeignet ist. Wenn du auf einer anderen Position aushelfen musst, dann mache es für das Team. Durch die Erfahrungen wirst du automatisch besser. Seit eineinhalb Jahren hat mich ein Scout der Ravensburg Razorbacks beobachtet und in deren Tryout habe keine schlechte Leitung abgeliefert. Der Weg zum Training dauert jetzt war 90 Minuten, aber für so eine Chance macht man das doch gerne.“ Das Training in einem GFL-Team ist nicht viel anders als in den bisherigen Ligen. Hier geht es vermehrt um Technik und Feinabstimmung. Den Hauptunterschied machen die Faktoren „Schnelligkeit und Kraft“ und Trainingshäufigkeit (drei Einheiten) aus. Hier wird besonders erwartet, das an den freien Tagen dennoch an sich arbeitet (Fitness und/oder Kraft). Zusätzlich wird jedes Training gefilmt, hochgeladen und man wird auf Verbesserungen hingewiesen. Bei den Razorbacks arbeitet Marcus daran ein fester Bestandteil des Teams zu werden und kein „Bankwärmer“. Die GFL Süd startet für Marcus und die Razorbacks mit einem „Kracher“ am ersten Juni Wochenende, denn der Aufsteiger reist nach Schwäbisch Hall zu den Unicorns. Die GFL Saison soll, zwar mit einem verkürztem Spielplan, stattfinden. Ob Zuschauer dabei sein dürfen ist hier noch nicht klärt, der Verband (AFVD) arbeitet am Hygienekonzept. Wir von NRW Football haben uns vorgenommen das Spiel (Link: https://www.gfl.info/service/afvd-plugin/spiel/?spiel=22428)  im Stream anzusehen. Auf unsere Frage, was er von dem ersten Spiel erwartet, antwortete Marcus: „Das erste Spiel in der Saison ist immer spannend. Ich hoffe wir können das große Team ärgern.“

 

Damenfootball und Coaching im Allgemeinen

Das Themengebiet „Damenfootball“ wird immer etwas vernachlässigt. Mit Marcus der die Gruppen Jugend, Herren und Damen trainiert hat wollten wir versuchen den Ursachen auf den Grund zu gehen. Hier in NRW sieht er eine Möglichkeit, wie es gelingen könnte. In diesem Segment gibt es meist nicht so viele Spielerinnen, daher ist es clever, eine Art Aufbauliga anzubieten. Der mögliche Weg könnte auch bei Spielgemeinschaften liegen, aber in BW sind hier die Wege länger als bei uns.  In NRW gibt es 5er Tackle, was in Baden-Württemberg (BW) noch nicht angeboten wird, dies ist aber in Planung. Außer in NRW gibt es aktuell keine Aufbauligen, so ist es für die Damen besonders schwierig den Sprung von der Jugend in ein Team der ersten oder zweiten Damenliga zu schaffen. Verständlicher Weise ist hier ein großer Leistungsunterschied vorhanden, die Teams mit den Spielerinnen brauchen Zeit, bis das Niveau der beiden Ligen erreicht wird. Marcus sieht jedoch Potential bei den Damen. Noch sind Damenteams auch noch nicht sehr weit verbreitet, somit sind Reisen zum Training oder Spiel meist weiter. Nicht verkneifen konnten wir uns die folgende Frage: Wer ist schwieriger zu trainieren – eine Jugend-, Herren- oder Damenmannschaft? Marcus muss lachen und sagt dann: „Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass kann man pauschal nicht sagen. Es kommt eher auf die einzelnen Spieler*innen an. Ich selbst habe festgestellt, es kommt nicht auf das Alter oder Geschlecht an, sondern wie bisher sie gecoacht wurden. Es gab bisher in jedem Team Eine(n), der/die glaubte es besser zu können. Das passiert. Man muss schauen, wie man darauf richtig reagiert. Klar habe ich, gerade als junger Coach, auch mal Fehler gemacht, aber heute bin ich selbstbewusster. Ein wichtiger Faktor ist Vertrauen. Ich kann das Vorurteil nicht bestätigen, dass Damen schwieriger zu Coachen sind.“

Wenn einer Hilfe bei Fragen der Ausrüstung hat oder etwas Neues braucht kann sich gerne bei Marcus melden Mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Er ist Besitzer eines Vicis Helm und kennt somit eine Vielzahl von Modellen. In Ravensburg kann er ihn (falsche Farbe) nicht benutzen.  Auch Trikotsätze kann er besorgen. Was ich an ihm schätze ist, er ist auch so fair, wenn er nicht das Produkt hat, kann er einen anderen empfehlen, wo man gut aufgehoben ist. So hat mich Marcus über ein interessantes Geschäftsmodell hingewiesen – Helm-Leasing (Link: https://unlimited-football.com)

Marcus Flach
Spieler: 
2011 - 2014: U19 Duisburg Thunderbirds / Dockers 
2014 - 2015: Herren Duisburg Dockers / Thunderbirds 
2015 - 2020: Herren Tübingen Red Knights 
2021 - heute: GFL Ravensburg Razorbacks 
Trainer: 
2012-2015: Assistant Coach Jugend Duisburg und Damen 
2013: DL Assistant NRW Auswahl 
2015: U19 Line Coach Tübingen 
2016 - 2017: Damen HC Tübingen 
2018: U15 Line Coach Tübingen 
2018 - 2020: U15 HC Tübingen 
2019 - heute: U17 HC Tübingen 
2019 - heute: U19 HC Tübingen 
seit 2020: AFCVBW C-Lizenz Inhaber 

Oliver Jungnitsch von NRW Football / Fands.pics führte ein Interview mit Marcus Flach (06.05.2021)

Michael Zyweck ist ein ehemaliger Nachbar von uns. Schon immer war er sehr aktiv und machte neben seiner normalen Arbeit etwas, was andere komplett ausfüllen würde. Erst spät erfuhren wir von ihm, dass der entscheidend an dem Aufbau der Gelsenkirchen Devils beteiligt war. Heute ist er in der Lokalpolitik von Herne sehr aktiv und warf mit uns einen Blick auf die mögliche Entwicklung des Footballs. Ein Blick von außen, der uns überraschte!

Michael Zyweck war der erste Pressesprecher und Gründer der Gelsenkirchen Devils bei uns im "Black Hole". (Foto: Oliver Jungnitsch)Michael Zyweck war der erste Pressesprecher und Gründer der Gelsenkirchen Devils. Hier bei uns im "Black Hole" - unserem Party- und Fernsehkeller. (Foto: Oliver Jungnitsch)

Michael ist immer unterwegs und Interviewerfahren. Dabei ist es egal, ob es sich um Zeitung, Radio oder TV handelt, denn er ist Sprecher der Herner SPD Fraktion im Mobilitätsausschuss, der auch das Thema „Digitalisierung“ enthält. Bevor wir ihm eine Frage stellen, zieht er eine Karte aus seinem Portemonnaie: seine Visitenkarte, die er in der Zeit als Pressesprecher der Gelsenkirchen Devils nutze. Dabei macht er uns aufmerksam und sagt: „Achtet bitte auf die Postleitzahl. Das ist noch eine vierstellige Postleitzahl, denn ich bin Gründungsmitglied der Devils“.  Er wurde zwar nicht in der Gründungsurkunde erwähnt, dennoch ist er seit den ersten Tagen des Vereines dabei. Michael berichtet von damals: „1992 ging es los. Über einen Freund, der einen Autohandel besaß, erfuhr ich, das drei Leute einen Footballverein gründen wollen. Da mich das interessiert hat, habe ich mir das angesehen. Ich habe mich sofort in den Sport verliebt! Die ersten Devils sind von den ehemaligen Herner Ravens gekommen. Kurioserweise war das erste Spiel der Gelsenkirchen Devils, was an der Oststraße in Gelsenkirchen stattgefunden hat, gegen die Herner Ravens. Das Spiel haben wir deutlich verloren.“ 

Michaels Aufgabe bei den Devils war es, den Verein bekannt zu machen und er führt aus: „Wir haben zu der Zeit „Bundle-Aktionen“ gemacht. Dabei zahlst du einen kleinen Beitrag Eintritt, hast aber schon eine Wurst dabei. Wir konnten Interviews im Radio geben. Für unsere Heimspiele konnten wir einen erfahrenen Stadionsprecher gewinnen. Er hat den Zuschauern erklärt was auf dem Platz passiert, das war sehr wichtig. Dabei hat er jeden Spielzug erklärt, denn es kannte keiner das Spiel.“

Gerade in der Anfangszeit hatte der Verein es schwer, Trainingsplätze zu bekommen. Gelsenkirchen ist eine Fußball Stadt und die zuständigen Stellen dachten, dass die Footballer den Rasen zerstören. Es ging sogar so weit, dass Spiele bei den geringsten Wetter Einflüssen in den ersten beiden Jahren abgesagt wurden. Hier war es auch egal, was der Verein an Rahmenprogramm bereits auf die Beine gestellt und auch im Vorfeld bezahlt hatte.  „Einmal haben wir es sogar mit dem Verteilen von Handzetteln und Freikarten geschafft, über 1.000 Zuschauer an einem Spieltag begrüßen zu dürfen“, berichtet er weiter.

 

In der Anfangszeit gab es Spiele vor mehr als 1.000 Zuschauer und einen Auftritt im Parkstadion

Gelsenkirchen Devils beim Schalke 04 (Foto: Martin Meißner)Gelsenkirchen Devils beim Schalke 04 (Foto: Martin Meißner)

Zu dieser Zeit war der American Football auf dem Wege die zweit beliebte Sportart zu werden. Fast hätten man damals die Schalker Haie (Eishockey) von dieser Position verdrängt. Hier nutze er jede Chance für Aufmerksamkeit. So gelang es ihm bei Schalke 04 in der Halbzeit ein Showtraining zu platzieren. Michael erinnert sich: „Es war ein Freitagabendspiel gegen Dynamo Dresden. Es waren 30.000 Zuschauer im Parkstadion. Beim Einlauf der beiden Mannschaften standen die Spieler der Devils Spalier und haben jeden einzelnen Fußballspieler abgeklatscht. In der Halbzeit hatten wir den Rasen für uns und konnten ein Showtraining durchführen. Das war geil!“.  Funfact: Der Rasen hatte doch etwas mehr gelitten, als es den Verantwortlichen lieb war und man durfte diese Aktion nicht wiederholen.

Heute hat der 49ers Fan kaum noch eigene Berührungspunkte zu den Footballvereinen. Als er nach 20 Jahren alte Fotos und Berichte den aktuellen Vorstand übergab, freute er sich, wie gut sich sein „Baby“ entwickelt hat. Als Herner verfolgt er auch die Aktivitäten der Herne Black Barons. 

 

Raus aus der Nische

Auf unsere Frage, was man von früher noch heute machen kann und was im Football nicht so gut läuft, überraschte er uns mit der folgenden Antwort: „Ich denke mal, es ist Zeit für den nächsten Schub. Die NFL denkt darüber nach Spiele nach Deutschland zu verlagern. Das machen die nicht ohne Grund. Du spürst da passiert jetzt etwas. Anhand der Zuschauer, die den Superbowl gesehen haben, merkt man wie ProSiebenMaxx den Sport nach vorne gebracht hat. Es gibt aber auch so ‚Hard-Core Fans‘ wie euch, die den Gamepass und noch mehr nutzen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es immer welche, die zusätzlich zur NFL auch den College Football verfolgen. Es werden immer mehr. Aber es ist immer noch eine kleine Nische, aber eine die sich lohnt. Da geht was! Ich glaube, was ein Fehler ist, dass die Footballfans dieses Wissen was sie besitzen, für sich exklusiv behalten zu wollen. Ich liebe den Sport, aber Leute wie auch ihr, die sind so tief in dem Thema drin, die kennen die Spieler, die Spielzüge, die Positionen. Ich glaube die Chance, dass Leute die sich kurz für den Football interessieren, überfordert werden von dem Wissen der ‚Hard-Core Fans‘. Klar diese Gruppe wird immer mehr, aber das wird nicht reichen. Die breite Öffentlichkeit erreicht man damit nicht. Man muss sich entscheiden, was man will. Wir haben früher Freikarten verteilt, dabei war uns klar, dass rund 80 % der Leute nichts von dem Spiel verstanden haben. Unsere Strategie war es eher, das Spiel als Event zu sehen. Wir haben neben dem Spiel unteranderem mit Bands geplant oder sonst etwas einfallen lassen, wie wir die Zuschauer unterhalten können. Man muss hier von den Amerikanern lernen und den Sport mit anderen Dingen verbinden, ansonsten wird der Football in der Nische bleiben. In meiner Zeit haben wir versucht über die den Stadionsprecher das Spiel mit den Spielzügen zu erklären und das auf eine charmante Art und Weise. Nicht von oben herab, sondern bewusst einfach. So kann man z.B. ein oder zweimal im Jahr eine Freikartenaktion machen. Geht dann stark auf die Presse zu und besorge sich möglichst eine lokale Band oder so etwas. Dann kann man noch bei den Preisen des Catering locken. Es sollte über die Masse gehen. Klar wird man an dem Spieltalg nichts verdienen, man bekommt vielleicht die Kosten herein. Wichtiger ist noch der Stadionsprecher, der auf eine einfache Art erklärt was dort unten auf dem Platz passiert. So zum Beispiel: 7 Yards sind bei dem letzten Versuch gemacht worden. Das war der 2. Versuch und das heißt, das Team hat noch 2. Versuche für 3 Yards. Einfache Basisinformationen! Da reicht die Zeit, in der das Setup gemacht wird. Die Allgemeinheit will nicht so tiefe Informationen. Der beste Zeitpunkt ist sicherlich vor der Saison. Zusätzlich würde ich z.B. Jugendspieler oder Coaches mit Warnwesten ausstatten, die als Volontäre für das Spiel agieren. Hier kannst du auch gute Werbung für interessierte Spieler oder Spielerinnen machen. Aber auch hier ist es wichtig, diese Leute nicht sofort mit Wissen zu überfrachten. Mein Sohn ist 15 Jahre und mittlerweile auch vom Football angefixt und weißt du wie es begonnen hat? Er fand die Logos der Teams gut. Das ist ganz anders als beim Fußball und der Zugang zum Football ist sehr individuell. Entweder willst du weiterhin, dass der Football und seine Fans unter sich bleibt oder du musst dich öffnen!“

 

Fanartikel aus der NFL bekommt man einfach, aus den deutschen Ligen nur schwer

Ein weiteres Problem sieht Michael in dem Vereinsdenken und der mangelndem Nutzung von Fanartikeln. Er beschreibt es so: „Es fehlt so ein bisschen der Unterbau in Deutschland. Du weiß ja, ich habe vor Jahren bei einen Kappenladen mitgemacht. Besser gesagt, es war der Laden meines Kumpels, der das immer noch macht. Er ist häufiger beim German Bowl. Wenn ich ihn frage, wie es dort war, ist seine Antwort: ‚Ja man kennt sich, denn da sind immer die gleichen Leute und die gleichen Mannschaften.‘ Auch hier bleibt man unser sich. Der deutsche Super Bowl findet fast immer mit den gleichen Mannschaften vor den gleichen Fans statt. Er ist das, was die anderen Vereine machen, nur eine Nummer größer. Es fehlt die Öffnung zur breiten Masse. Heute bekommst du aber über verschiedenen Kanäle Kappen, Trikots, T-Shirt und noch vieles mehr von den NFL Vereinen. Wie schwierig ist es aber ein T-Shirt vom deutschen Footballteam zu bekommen. Da siehst du die Diskrepanz. Wie brichst du das herunter? Man hat sich in den Vereinen gute Gedanken zu den Logos und Farben gemacht, schafft es aber nicht, sie zu vermarkten. Jeder macht es für sich allein. Hier liegt aber Potenzial! Aus meiner Sicht sollte man dies zentralisieren. Da muss der Verband mit Herstellern und Vereinen sprechen. Die Logos der deutschen Footballteams sehen cool aus und sprechen junge Leute an.  Auch hier verstehe ich nicht warum Läden oder Kneipen die Produkte der Clubs nicht anbieten. Hat mal einer mal nachgefragt, ob das geht. Wenn du nicht nachfragst oder es versuchst, dann hast du auch keine Chance es zu ändern. Lokal ist momentan total in. Wenn es ein Shirt von Barons oder Devils bei uns in Herne zu kaufen gäbe, ich würde es mitnehmen. Wenn du dann noch clever bist, dann machst du auf das Etikett einen QR-Code für die Club Homepage und vielleicht kannst du auch eine Freikarte für ein Spiel integrieren. Klar kann man manche Sachen auch über die Seiten der Vereine kaufen, aber das ist so einfach wie bei Amazon. Ich möchte die Sachen sehen, anfassen und mitnehmen!“

 

Vorteil nutzen

Zum Ende weist er auf andere Randsportarten hin, die auch keine große Aufmerksamkeit bekommen. So waren wir überrascht, als uns Michael erzählte, dass die Herner Damen im letztem Jahr Deutscher Meister im Basketball wurden. Oder auch das Eishockey bekommt keine breite Aufmerksamkeit. Dennoch hat der Football durch den Super Bowl, dem größtem Sportereignis der Welt, eine bessere Basis als andere Randsportarten. Man muss sie nur nutzen. Und Michael gibt den Tipp: „Plane und bewerbe einen besonderen Spieltag, wo viele neuen Leute kommen werden. Die müssen nicht nach Hause gehen und sagen: ich habe das Spiel verstanden, sie müssen sagen: ich hatte Spaß!“

 

Michael und wir sehen die Vorschläge und Tipps nicht als Musterlösung, sondern eher als Denkanstoß oder Diskussionsgrundlage. Michael Zyweck stand uns – Nick und Oliver Jungnitsch von NRW Football – zur Verfügung und zeigte uns den einen oder anderen „blinden Fleck“. Wir werden drüber nachdenken und auch anders handeln. Den Sport verändern können nur die, die den Football ausüben, trainieren, repräsentieren oder die Verantwortung dafür haben – macht was draus! 

Nick Jungnitsch und Oliver Jungnitsch von NRW Football / Fands.pics führten - unter Corona-Bedingungen - ein Interview mit Michael Zyweck (05.05.2021)

Mit Marcus Gastmann einen Termin hinzubekommen ist in diesen Tagen nicht so einfach. Marcus Gastmann ist der 1. Vorsitzende der Bonn Gamecocks. Obwohl der Trainingsbetrieb ruht, jagt ein Online Meeting das nächste. Bei den Gamecocks bewegt sich viel hinter den Kulissen, so gibt es nach 30 Jahren bald eine eigene Trainingsstätte und das mit allem was man für ein gutes Footballtraining benötigt. 

DSC 0336 1Marcus Gastmann (rechts) der 1. Vorsitzende der Bonn Gamecocks stellte sich unseren Fragen. Links im Bild ist der Fanbeauftragte der Bonner - Andy Artmann zu sehen (Foto Kerstin Offer)

Corona hemmt das Vereinsleben, aber Marcus stellt klar: „Ich habe das Glück, dass ich mit Bonn Gamecocks echt viel zu tun habe. Es gibt viele Neuerungen, die sich seit unserem letzten Gespräch im vergangenen Jahr ergeben haben. Da sind das neue Stadion, neue Sponsoren und Trikots. Besonders freut mich, dass die Stadt Bonn vor einer Woche beschlossen hat, dass wir einen Trainingsplatz bekommen.“ Daran wurde von den Offiziellen seit 10 bis 15 Jahren gearbeitet und jetzt ist es soweit. Im Herbst dieses Jahres wird es für die Gamecocks einen eigenen Kunstrasenplatz mit entsprechender Linierung, Kabinen, Flutlicht und Multifunktionsraum geben. Markus Gastmann: „Dazu wird von der Stadt Bonn eine Menge Geld in die Hand genommen, um das für uns möglich zu machen. Das nimmt man doch gerne an!“

Wenn schon alles neu ist, dann dachte sich Marcus: „Okay, gehen wir auch mal das Thema „neuer Trikotsatz“ an. Da im Rahmen der Pandemie diese Firmen kaum Aufträge haben, werben sie mit guten Rabatten. Wir hatten das Glück, dass wir zwei Sponsoren gefunden haben, die uns Geld zahlen. Nach rund fünf Jahren tagen unsere Trikots wieder einen Aufdruck von Sponsoren. Was soll ich sagen, am Ende haben wir sogar zwei Sätze geordert. Wenn die Trikots da sind, gibt es in dem neuen Stadion das größte Fotoshooting aller Zeiten. “ 

Bezogen auf die Möglichkeiten: Ein-Spiel-Saison, Freundschaftsspiele oder nur Training, sagte Marcus: „Ich würde mich freuen, wenn wir es nach den Sommerferien schaffen, dass jedes unserer Teams irgendwie ein bis zwei Spiele absolvieren kann. Noch ein ganzes Jahr ohne richtiges Mannschaftstraining ist nicht gut für den Sport. Hier ist der Verband von der ursprünglichen Variante abgewichen und plant jetzt von hinten nach vorne. Das finde ich gut, denn realistisch ist ein Spielbetrieb nicht vor dem Ende der Sommerferien möglich.“

Es ist schon gemein, wenn du ein neues, schönes Stadion vor der Tür stehen hast und es nicht benutzen kannst. Für die ersten Spiele im neuen Pennenfeld planen die Gamecocks dennoch. „Für die ersten Spiele planen wir mit zwei Highlight. Das eine wird wahrscheinlich ein Auftritt der „Cologne Panda Cheerleader“ werden und das andere wird ein musikalisches Highlight mit den "Dad Beatz" werden, einer Rockband aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Es fehlen nur noch die Spiele. Für das letzte Jahr war ein Rheinland Bowl geplant, der bekannter weise nicht stattfinden konnte. Vielleicht funktioniert es ja dieses Jahr. 

Die Mitglieder werden über regelmäßige Infoabende auf den neusten Stand gebracht, dies erfolgt natürlich virtuell. Insgesamt ist die Vereinsarbeit für Marcus eine große zeitliche Belastung, denn es ist nicht ungewöhnlich, wenn es vier Meetings in der Woche werden. Zwar versucht er die Arbeit und Verantwortung auf weitere Schultern zu verteilen, aber dennoch bleibt vieles bei ihm hängen. Auch bei den Trainingseinheiten geht es zurzeit nur virtuell zur Sache. „Bereits in der letzten Woche ging unser 75. Training in diesem Kalenderjahr über die Bühne. Wenn man noch die Meetings des Vorstandes mitzählt, dann haben wir die „Hundert“ längst überschritten. Aber das ist alles nicht im Gegensatz dazu, auf dem Trainingsplatz zu stehen und den Rasen riechen zu dürfen. Bei uns sind alle in den Startlöchern und warten darauf endlich loszulegen. Das könnte einfach alles so geil werden!“, erzählt mir Marcus ein wenig traurig.  Die Coaches der Gamecocks liefern laut Marcus eine gute Vorarbeit für eine mögliche Saison ab, so sind die Wochenpläne dennoch für die Mitglieder prall gefüllt. Insgesamt sind die Vorzeichen bei den Bonnern sehr gut. 

Zum Abschluss ist Marcus wichtig, die gute Verbandsarbeit in NRW herauszustellen. Er ist mit der Kommunikation und der Art vom Verband sehr zufrieden. Die Informationen sind sehr gut verständlich und zeitnah und er lobt weiter: „Ich fühle mit dort sehr gut aufgehoben und ihr Präsident Springwald macht wirklich einen guten Job! Der AFCVNRW hat immer das Wohl und die Gesundheit ihrer Mitglieder im Focus.“  

Oliver Jungnitsch führte das Interview mit Marcus Gastmann. Marcus ist immer noch auf der Suche nach weiterer Unterstützung in der Vereins- und Vorstandsarbeit. Wer sich angesprochen füllt soll einfach eine Mail an ihn senden (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Weitere Informationen zu den Bonn Gamecocks sind auf der HomepageFacebook oder Instagram.

Interview vom 23.04.2021 jfür NRW Football / FandS.pics

 

Sven Kicza, den ersten Vorsitzenden der Gelsenkirchen Devils, kennen wir schon seit vielen Jahren. Sven selber ist über seinen Sohn zum American Football gekommen und hat sich seitdem besonders dem Thema „Equipment“ gewidmet. Bereits im letzten Jahr haben wir mit ihm über die immer noch anhaltende Pandemie gesprochen. Dabei ist uns seine Treffsicherheit bei den Prognosen in Erinnerung geblieben.  DSC 6354Sven Kicza ist der 1. Vorsitzende der Gelsenkirchen Devils und stellte sich unseren Fragen (Foto: Oliver Jungnitsch).

Da uns noch die richtige Einschätzung von Sven aus dem letzten Jahr imponiert hat, ging auch die erste Frage in diese Richtung. Wir von NRW Football wollten wissen, wie denn das Football 2021 zu Ende gehen wird. Hier ist seine Antwort: „Was soll ich sagen, es wird genauso zu Ende gehen wie das Footballjahr 2020. Ich gehe davon aus, dass der Trainingsbeginn nach den Sommerferien beginnt. Früher wird es aufgrund der steigenden Zahlen nicht möglich sein. Der Verband plant bekannterweise rückwärts ab dem 31.10.2021. Das halte ich für eine gute Strategie, kein Anfangsdatum festzulegen. Nach dem Einstieg in das geregelte Training wird es eine Zeit benötigen, bis die Spieler*innen fit sind und ein Spiel absolvieren können. Dabei muss man aber bedenken, die Sommerferien sind in NRW recht spät. Wir, die Gelsenkirchen Devils, können voraussichtlich nicht in den Ferien beginnen, da viele Verantwortliche ihren Urlaub planen. Somit bleibt nicht mehr viel. Es wird maximal Freundschaftsspiele geben. Auch erwarte ich, dass der Football ligenübergreifend in der Feinabstimmung Probleme haben wird. Für mich werden die Punter und Kicker sehr häufig auf dem Feld stehen. Aber egal was kommt, unsere Planung berücksichtigt alle Eventualitäten und könnten jeden Gameday abbilden.“

Auf unsere Nachfrage ob die Spiele mit Zuschauern stattfinden und dem Hinweis, dass Sven einen Ruf zu verlieren hat, musste er zunächst lachen und sagte: „Die GFL, die am 06.06. starten soll oder auch die ELF die im gleichen Zeitfenster beginnen möchten, die werden alle keine Zuschauer haben. Das sehe ich auch für die Zeit nach den Sommerferien so.“ Wir waren einer Meinung, dass es gerade die Vereine, die von den Gamedays leben, schwer wird. Wie ein Spiel mit Zuschauern mit Hygieneauflagen aussieht, kann man ja nur spekulieren. Die Kosten für einen möglichen Test vor dem Spiel macht es aber insgesamt teuer. Fraglich sind auch so bisher selbstverständliche Dinge, wie eine Verpflegung. Sollten keine Zuschauer zugelassen sein, plant man bei den Devils mit einem voraussichtlich bezahltem Stream. Hier kann man auf eine gute Verbindung zur Fachhochschule Gelsenkirchen zurückgreifen, von denen es einige Studenten machen würden. (Apropos Stadion: Wir erfuhren, dass das Fürstenbergstadion eine Renovierung erfahren hat, so wurde die Gegentribüne neugestaltet.)

Seit dem Lockdown wird bei den Gelsenkirchenern zwar einiges gemacht, Sven beschreibt es eher als sehr lange Offseason. Man konnte zwar viel im Bereich der Theorie machen, aber zum Football gehört besonders die Praxis und die fehlt an allen Ecken und Enden, berichtet Sven uns. Nur die U13 der Gelsenkirchen Devils dürfe trainieren, wie fast überall auch. 

Insgesamt ist Gelsenkirchen immer noch sehr auf Fußball fokussiert, so haben zwar die Herren mit einem Kunstrasenplatz an historischer Stätte eine gute Basis für ein Training, aber insgesamt sind die Plätze limitiert. So sind zwar Überlegungen für ein Flag-Football Team da, aber es gibt keine freien Kapazitäten für einen Trainingsplatz. Ob sich das durch den Rückgang (in 10 Jahren von rd. 80 auf rd. 50 Vereine) von den aktiven Fußballvereinen verbessert, bleibt abzuwarten. Intern arbeitet man an Lösungen, wie beispielsweise an einer Zusammenlegung von Einheiten der verschiedenen Teams. 

Sven nutzte die Pause für eine kleine Veränderung und hilft jetzt beim Coaching der Devils U19 aus. Begeistert berichtet er: „Ich habe mich, mit der Hilfe unseres Herren DC’s, weitergebildet. Mittlerweile bin ich DC der U19. Mega cool ist für mich die positive Resonanz der Jungs. Wir arbeiten mit den Spielern nur virtuell, aber wie auch bei vielen anderen auch, fehlt ihnen allen die Praxis. Schade ist aktuell, dass du die Ehrenamtlichen oder die Eltern nicht so in die Vereinsarbeit einbinden kannst. Viele von ihnen haben den Focus auf andere Dinge in der Pandemie gelegt. Auch hier fehlt ein geregelter Trainingsbetrieb. Aber ich bin zuversichtlich, wenn wir wieder auf die Anlagen dürfen, wird das wieder. “

Im letzten Jahr wagte Sven mit uns einen Ausblick für die nahe Zukunft. Auf unsere Frage, ob die Pandemie ihn und die Gelsenkirchen Devils nach hinten geworfen hat, antwortete er: „Wir haben mit den Herren für 2025/2026 die GFL2 ins Auge gefasst, das funktioniert nicht mehr. Ich gehe sogar davon aus, dass es uns um vielleicht vier Jahre zurückwirf, denn wir haben voraussichtlich zwei Jahre in Folge keinen Ligabetrieb. Das Niveau für Regionalliga wird auch seine Zeit brauchen, bis es wieder auf dem Leistungsstand vor 2020 ist.“

Zum Ende sprachen wir über die anstehende Jahreshauptversammlung (JHV). Auch hier wirkt sich die Pandemie aus. Die JHV könnte zwar virtuell durchgeführt werden, dies will man jedoch vermeiden, denn die Kosten für eine rechtlich sichere Durchführung sind schon immens. Es soll somit möglichst eine Präsensveranstaltung werden. Sven berichtet uns: „Ja das ist zurzeit schwierig eine entsprechende Location zu finden, die das mit machen kann. Hier gibt es aufgrund von Corona Haftungsfragen zu klären. Meiner Ansicht ist es besser, wenn wir die JHV nach erfolgten Lockerungen durchführen.“ Wie es bereits in der Mail an die Mitglieder bekannt gegeben wurde, werden jedoch Sven und sein zweiter Vorsitzender Thomas Foks nicht mehr kandidieren. Ihr Ziel ist es den Vorstand zu verjüngen. Hierfür gibt es schon interne Nachfolger. Mal sehen, ob sie bei den Prognosen genauso gut sind wie Sven. Wir jedenfalls werden die beiden vermissen, denn wir haben sie als sehr angenehme und verlässliche Personen kennengelernt. Sven wird sich jedoch nicht ganz zurückziehen, denn er will weiterhin den Posten des DC’s der eigenen U19 ausüben.  

Die Gelsenkirchen Devils sind immer auf der Suche nach gutem und motiviertem Trainer*innen. Wer sich angesprochen fühlt, schreibt bitte eine Mail an Sven (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). 

Nick Jungnitsch und Oliver Jungnitsch führten - unter Corona-Bedingungen - ein Interview mit Sven Kicza, dem 1. Vorsitzenden der Gelsenkirchen Devils.

 

Remscheid hat eine der höchsten 7-Tage-Inzidenzen in NRW. Am 18.04.2021 liegt sie mit 342,2 weit über allen Grenzen, die einen Trainingsbetrieb zulassen. Mit dem ersten Vorsitzenden des Remscheid Amboss sprachen wir über das Vereinsleben, mögliche Änderungen, besondere Probleme der Region und Lösungsansätzen. Trotz der angespannten Gesamtlage schaut man beim Amboss positiv in die Zukunft und das nicht nur aufgrund des Stadionneubaus.

Christian Müller hat beim Amboss eigentlich alles schon gemacht, jetzt ist er der 1. Vorsitzende des Vereines (Foto:Stephan Partisch - Football Pix) Christian Müller hat beim Amboss eigentlich alles schon gemacht, jetzt ist er der 1. Vorsitzende des Vereines (Foto:Stephan Partisch - Football Pix)

Oliver von NRW Football: Vielen Dank für deine Zeit. Im American Football, der in NRW stattfindet, kennt eigentlich jeder jeden. Dennoch würde ich dich zu Beginn bitten, dich kurz vorzustellen.
Christian Müller: Ja gerne! Ich bin Christian Müller und 49 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter. Im Jahr 1986 fing ich mit dem Football als Jugendspieler an, das war bei den Remscheid Bergische Löwen. Nach meiner aktiven Zeit in Jugend wechselte ich in den Seniorenbereich. Hier waren meine Stationen bei den Remscheid Bergische Löwen und den Solingen Hurricanes.  insgesamt komme ich auf 26 Spielzeiten. Im Jahre 1999 wurde der Remscheid Amboss gegründet und ich gehöre zu den Gründungsmitgliedern. Hier beim Amboss habe eigentlich alles durch. So war ich hier Spieler, Trainer und seit Ende 2019 bin ich 1. Vorsitzender. Die Trainerlizenz habe ich schon im Jahr 2001 gemacht und war in der Zeit von 2011 bis 2018 der Head Coach von den Herren. ... und Anfang 2020 kam Covid.
 
Oliver: Ja, das ist großes Problem für die Gesellschaft, aber natürlich auch für Vereine. Daher auch meine erste Frage: Wie ist denn die Stimmung bei Amboss?
Christian: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir alle sehr gelassen und unbekümmert sind. Bei einer Inzidenz von über 340 ist das schwierig. Das ist eine der höchsten in NRW und das geht schon seit einigen Wochen so. Keiner kann sagen, wenn sich das beruhigen wird. Das Vereinsleben, wie das Treffen von Freunden, die sportliche Betätigung und der Teamgeist fehlen hinten und vorne. Schon im letzten Jahr haben wir uns auf die Fahne geschrieben, dass wir als Verein enger zusammenrücken müssen. Weiterhin wollen wir unseren Mitgliedern gegenüber transparent sein. Wir versuchen mit allen, so auch den Ehrenamtlichen, Kontakt zu halten und ihnen Perspektiven zu vermitteln. Es wird irgendwann weitergehen, darauf bereiten wir uns vor. Bis dahin muss man es gemeinsam überstehen. Wir bieten für unsere Mitglieder Online-Training an, wir arbeiten mit Huddle und die Teams, inklusive der Jugend- und Cheerleadingmannschaften, halten zweimal in der Woche Sessions ab. Im Jugendbereich ist das schwieriger, denn wer will sich schon nach sieben Stunden Homeschooling nochmals 1 ½ Stunden vor den PC setzen. Dort ebbt es schon etwas ab. Das ursprüngliche Vereinsleben fehlt an allen Ecken und Kanten. Dennoch ist bemerkenswert, wie alle an Lösungen interessiert sind. So wurde im Jahr 2020 ein eigenes Videoformat mit „Amboss Inside“ erstellt (Link: https://www.youtube.com/channel/UCEKfKCK2P953DyoLjajDSSg). Es lohnt, dort reinzuschauen und vieles, auch für Außenstehende, interessantes über den Amboss zu erfahren. Das zeigt, wie viele andere Aktionen auch, wie viele aus dem Verein unter diesen widrigen Umständen das Vereinsleben mitgestallten wollen. Eines ist aber sicher, der Vereinssport wird nach der Pandemie ein anderer sein. Da sind wir Verantwortlichen gefordert, aber hier liegt auch eine Chance für den Football und das Cheerleading.
 
Oliver: Ja, da stimme ich dir zu. Denkst du, dass sich die Vereine in dieser Zeit nicht mehr untereinander austauschen sollten oder müssten?
Christian: Das wäre wünschenswert, aber ich glaube, dass weiterhin das Denken überwiegt, dass jeder Verein seine eigene Entwicklung in den Vordergrund stellt. Aber es gibt auch positive Erfahrungen, denn wir sind mit einem anderen Verein in Kontakt und wollen gemeinsam etwas machen. Da bin ich hoffungsvoll.
 
Oliver: Lass uns einmal über die Weiterentwicklung beziehungsweise die Förderung von Football sprechen. Ich bin nicht der Meinung, dass die ELF für eine bessere Basis des deutschen Football verantwortlich sein wird. Das kann nur durch die Jugendarbeit der Vereine erfolgen.
Christian: Die ELF ist interessant für ranNFL, aber es geht komplett vorbei an der Basisarbeit der Vereine. Das Abwerben von Spielern gibt es schon seit 30 Jahren. Wie häufig wurden von kleineren Vereinen Spieler in die GFL abgeworben. Da muss man sich nicht aufregen, denn es gibt Spieler, die stehen loyal zu ihrem Verein. Für andere ist es ein Hobby. Da gibt es auch Spieler, die sind ehrgeiziger als andere und wollen in der höchsten Liga spielen. Diese Leute wirst du nicht aufhalten können. Das ist auch vollkommen okay.
 
Oliver: Deine Überlegung ist interessant und möchte sie vertiefen, denn es war ja wirklich so, dass unterhalb der GFL die Vereine Leistungsträger verloren haben, die dann Richtung GFL gingen. Heute sind es die GFL Vereine, die eine ähnliche Situation erleben, denn sie verlieren jetzt Spieler in Richtung ELF. Ich lass das mal so stehen! Okay, aber das können wir beide nicht direkt beeinflussen. Lass uns zurück nach Remscheid und dem Amboss schauen. Wie ist denn eure aktuelle Planung?
Christian: Wir planen damit, dass wir ab Mitte Juni die Möglichkeit haben in den regelten Trainingsbetrieb einzusteigen. Das ist optimistisch, aber das muss man auch sein. Ich bin sogar so optimistisch, dass wir ab Mitte August eine verkürzte Saison gehen können. Damit meine ich, du hast ein Heimspiel und drei Auswärtsspiele. Wenn kein Ligabetrieb stattfindet, dann würden wir gerne das ein oder andere Freundschaftsspiel austragen. Wenn das auch nicht stattfinden kann, dann hoffen (und beten) wir, dass wir trainieren können. Wir sind aber insgesamt sehr optimistisch. So oder so, wir müssen weiter daran arbeiten und Leute für unseren Sport zu begeistern. Selbst in dieser Zeit bekommen wir Zuschriften von Leuten, wie Neu- /Quereinsteigern oder anderen Spielern, die gerne bei uns trainieren wollen. Bis vor kurzem haben wir uns noch mit diesen Leuten in unserer Geschäftsstelle getroffen. Unter Corona Auflagen haben wir ein Kennenlernen mit dem jeweiligen Head Coach und mir organisiert. Das Ergebnis war ein Zuwachs von 12 Herrenspielern. Diese Zeit ist gut investiert, es hilft beiden Seiten. 
 
Oliver: Das ist Wertschätzung. Prima! Apropos Investition: Sponsoren ermöglichen den Vereinen vieles, was ansonsten auf der Strecke bleiben würde. Wie stellt sich eure aktuelle Situation bei den Sponsoren dar?
Christian: Wir sind nicht umsonst der „Amboss“. Remscheid ist eine Industrieverarbeitende Stadt. Die Metallindustrie ist bei uns groß, die Firmen haben Schwierigkeiten bei den Lieferketten, die nicht eingehalten werden. Teilweise gehen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. Wir haben treue Sponsoren, die in dieser schweren Zeit auch weiterhin zu uns stehen, aber es ist auch vieles weggebrochen. Da sind Firmen, die Leute ihre in die Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen müssen, da kannst du keinen Verein sponsern. Bei neuen Interessenten hast du das Problem, dass du denen keine Planungssicherheit geben kannst. Nicht das wir uns falsch verstehen, der Verein ist gut aufgestellt und finanziell gesund. Geld ist aber endlich und wir sind für jede Hilfe und Kooperation dankbar. Der AFCVNRW hat dazu ein Seminar „Das Einmaleins der Sponsorensuche“ angeboten, an dem wir auch als Verein teilgenommen haben. Das ist gut und hilfreich. Unser Landesverband macht insgesamt eine sehr gute Arbeit. Dennoch diese Situation mit Corona verunsichert alle, Sponsoren sind zurückhaltend und zeigen keine Weitsicht. Wir Vereine sind eine große gesellschaftliche Kraft, die gerade Kinder und Jugendlichen oder junge Erwachsene mit einbindet. Das ist ein verdammt wichtiger und großer Pfeiler unserer Gesellschaft und absolut förderungswürdig!
 
Oliver: Absolut richtig. Sponsoren wollen gerne einen Vorteil ihrer Bemühungen sehen. Das geht am besten bei einem Gameday. Im letzten Jahr gab es das Angebot vom AFCVNRW in Form einer Freundschaftsspielbörse. Vielleicht wird das wieder ins Leben gerufen...
Christian: Im letzten Jahr begann bei uns der Stadionumbau. Die Coronalage hat uns, aufgrund der hohen Inzidenzen und der Ansteckungsgefahr, zusätzlich verunsichert. Da ist immer mal der eine oder andere Risikopatient im Verein dabei, der sich verständlicherweise rückgehalten hat. Das muss man als Verein auch mitbedenken. Wir haben in sorgsamer Abwägung uns nicht gemeldet. 
 
Oliver: Im Jahr 2018 war ich das letzte Mal bei euch im Stadion. Wie ist der der aktuelle Stand der Arbeiten rund um das neue Stadion?
Christian: Wir haben in dem Jahr das letzte Mal in dem Stadion Reinshagen gespielt. Der Rasen war zum Ende hin katastrophal. Im Jahre 2019 haben wir in Röntgen-Stadion (Lennep) gespielt. Der Umbau der Sportanlage Reinshagen wird schon seit einiger Zeit geplant. In diesen Prozess wurden wir als beheimateter Verein eingebunden und das auch finanziell. Der Amboss bekommt hinter der Tribüne eine Trainingsstätte mit Kunstrasenplatz und Footballlinierung. Der alte Aschenplatz kommt somit weg, die Arbeiten laufen aktuell an. Der Naturrasenplatz wird komplett erneutet, insbesondere die alte Drainage war im Sommer ein Problem. Die Fertigstellung soll im August/September erfolgen. Dann haben wir eine eigene Trainingsstätte. So können wir unseren Mitgliedern und denen, die es werden wollen, etwas Besonderes anbieten und haben eine gute Perspektive für die Zukunft.
 
Wer den Amboss besser kennenlernen will, kann es nicht nur über den bereits erwähnten Youtubekanal machen, sondern auch über die Homepage, Instagram oder Facebook. Nicht nur Cheerleader*innen oder Spieler*innen sind hier willkommen, sondern auch alle Arten von Ehrenamtlichen. Kein Verein kommt ohne sie aus! 
Oliver Jungnitsch für NRW Football führte das Interview mit Christian Müller. Christian bot sich ausdrücklich zum Austausch über die Vereinsgrenzen hinweg an. „Nur gemeinsam kann durch diese schwere Zeit halbwegs gut kommen“, war sein Statement zum Abschluss. Hier ist die Mailadresse von Christian Müller: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Das Interview mit Christian Müller führte Oliver Jungnitsch von NRW Football / FandS.pics am 20.04.2021

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