Mit Alexander Gonschor von den Minden Wolves sprachen wir unter anderem über O-Liner und die mangelnde Wertschätzung ihnen gegenüber, hudl und seinen Vorzügen und warum Angeln eine gute Ergänzung zum Football ist.

Alexander Gonschor (rechts) beim Training mit dem ehemaligen Head Coach der Minden Wolves Thomas Bonk (Foto: Volker Krusche - Minden Wolves)Alexander Gonschor (rechts) beim Training mit dem ehemaligen Head Coach der Minden Wolves Thomas Bonk (Foto: Volker Krusche - Minden Wolves)

Alexander ist in Cuxhaven (Niedersachsen) geboren. Von 2006 bis 2013 war er O-Liner bei den Schaumburg Rangers in Niedersachen. Nach einer Pause und einem Ausflug in eine andere Sportart, bei der ordentliches Gewicht verlor, wechselte er auf die Position des Linebackers. Hier spielte er 2016 und 2017 auch bei den Rangers.  Seit 2019 coacht Alexander bei den Herren der Minden Wolves die O-Line. In diesem Jahr kam noch die U19 dazu. Hier ist er Offensive Coordinator. 

Unsere erste Frage an Alexander war, wie er überhaupt zum Football gekommen ist. Hier ist seine Antwort: „Das ist eine Side Story. Du hast ja schon mitbekommen, dass ich das Angel mag. Im Jahr 2006 habe ich für das Angeln meinen Sportbootführerschein gemacht. Dabei habe ich jemanden kennengelernt, der bei den Schaumburg Rangers gespielt hat. Er hat mich mit zum Training genommen und seitdem bin ich von dem Sport angefixt.“ Auf meine Anmerkung, dass diese beiden Sportarten für mich so gar nichts miteinander zu tun haben, sagte Alexander: „Der Reiz liegt in der Unterschiedlichkeit der Sportarten. Wenn du dich im Training ausgepowert hast oder was nicht so toll beim Football geklappt hat, dann hast du dadurch die Möglichkeit dich ans Wasser zu setzen und Ruhe einkehren zu lassen. Da kannst du dir auch mal ein paar NFL-Profis anschauen, die gerne Angeln gehen, so auch Aaron Rogers.“ 

Alexander begann erst mit 20 Jahren Football bei den Schaumburg Rangers zu spielen und erklärt es so: „Zu der Zeit gab es Tageszeitungen und da war das Thema nicht so präsent. Werbung gab es auch nicht. Auch waren die Sozialen Medien noch nicht so weit. Das hat lange gedauert, bis der Sport mich gefunden hat.“ Bei dem Lebenslauf gibt es bei ihm eine Lücke und einen Wechsel der Position, daher wollten wir wissen, wie es dazu kam. Alexander antwortete so: „In meinem Sabbatjahr habe ich auf Kraft-Ausdauer gesetzt und habe dementsprechend die Pfunde purzeln lassen. Hier habe ich für den „Strongman Tough Mudder“ Lauf (Anmerkung: das ist ein Hindernislauf) trainiert.  Da hatte ich einfach Bock drauf! Da ich schon immer einmal Linebacker spielen wollte, habe ich dann gewechselt. Es macht auch Spaß, aber auf eine andere Art und Weise. Aber ich habe schnell festgestellt, dass mir die Offense besser gefällt und ich mich darauf konzentrieren möchte.“

Große Unterschiede im Leistungsbereich der beiden Bundesländer sieht er nicht. Was er aber in NRW besser sieht, ist die Förderung der Jugendteams. Hier macht insbesondere die GreenMachine eine gute Arbeit. Auch sind einige Vereine sehr stark bei dem Aufbau und Förderung der Jugendteams. Hier nennt er Paderborn Dolphins und Cologne Crocodiles. Sehr beeindruckt war Alexander von der Leistung der GreenMachine im Jahr 2019, denn er war Zuschauer des Jugendländerturniers in Oldenburg.  

Alexander Gonschor mit seiner Einheit, den O-Linern von den Minden Wolves (Foto: Volker Krusche - Minden Wolves)Alexander Gonschor mit seiner Einheit, den O-Linern von den Minden Wolves (Foto: Volker Krusche - Minden Wolves)

Nach seiner aktiven Karriere zog es ihn nach Minden zu den Wolves. Hier ist er auch wieder in seiner Unit, der Offense, zu Hause. Meine nächste Frage war: „Alexander, man sagt immer, dass die O-Liner besonders intelligente Menschen sind. Change my mind!“ Alexander muss lachen und antwortet: „Die O-Liner sind es und das muss auch so sein. Sie müssen jede Defense lesen, jede Blockart beherrschen. Dazu gehört bei ihnen nicht nur das spielerische Können, sondern auch die Athletik. Ich sage immer, auch meinen Jungs, wer nur zweimal in der Woche das Training besucht, ist auf der Position falsch. Da es ein sehr athletischer Sport ist, sind die O-Liner besonders gefordert. Ansonsten ist man besonders verletzungsanfällig. Die O-Liner müssen, genauso wie der Quarterback die Box lesen. Wenn man da nicht weiß, was passieren kann, dann hast du schnell das Spiel verloren. Die O-Line ist schon besonders, auf ihre Art und Weise. Jeder von ihnen hat seine Art von Beschützerinstinkt.“ Die O-Line ist immer etwas außerhalb der Aufmerksamkeit beim Zuschauer. Für sie gibt es keine nennenswerte Statistik (TD, IC, Tackle oder Position beim Fantasy Football usw.). Die Anerkennung für ihre Leistung muss daher vom eigenen Team kommen, sagt uns Alexander. So sollte der Quarterback und der Runningback sie für besonders gute Blocks loben. Bei Alexander funktionierte es in seiner aktiven Zeit, so haben ihn seine Quarterbacks Hannes Holthöfer und Lars-Erik Brase ihn für gute Aktionen gelobt. Wir beide waren uns einig: Da ist noch Luft nach oben und wir wollen mehr auf gute Aktionen der O-Liner achten und diese herausstellen. So kann jeder sagen, wer der Quarterback des Gewinners des letzten Super Bowls war. Wer aber kann einen oder mehrere O-liner von den Bucs im Super Bowl nennen? *Auflösung unten im Text 

Alexander berichtete uns außerdem, dass es nach den sieben Monaten bei den Minden Wolves bald wieder mit dem Trainingsbetrieb los geht. In Minden bereitet man sich in den Jugend- und Herrenteams auf eine mögliche Saison vor. Sollte es keinen Ligabetrieb geben, dann werden die Minden Wolves das eine oder andere Freundschaftsspiel absolvieren. Da die Wolves erst in Jahre 2018 gegründet wurden und im folgenden Jahr den Aufbau vollzogen haben, sollte 2020 die erste richtige Spielzeit beginnen. Durch Corona wurde es auf dieses Jahr verschoben. Laut Alexander ist das zwar ärgerlich, aber dadurch ist die Vorfreude auf die erste Saison noch größer geworden. In der Phase des Lockdowns gab es Online-Meetings bzw. Online-Trainings. Dabei ist Alexander der Ansicht, dass das nur über einen kurzen Zeitraum sinnvoll sei. Eine Zeitspanne von sieben Monaten ist definitiv zu lang und er und seine Jungs freuen sich auf das erste richtige Training.

 In der Zwischenzeit arbeitete man im Verein an einer Wertekultur und Teamzielen. Unter der Wertkultur muss man sich Dinge wie Ehrlichkeit oder Pünktlichkeit vorstellen. Obwohl Alexander freigestelltes Betriebsratsmitglied ist, war es nicht seine Idee. Durch ein Mitglied, das auch bei Helden e.V. aktiv ist, kam es dazu. Helden e.V. will ein sinnvolles und nachhaltiges Workshop Angebot gegen (Cyber-)Mobbing und Rassismus schaffen. Dieses Grundgerüst wurde in die Wertekultur mit eingebunden. Das ist aber nicht in Stein gemeißelt, so sagt Alexander: „Darauf wollen wir abbauen und die Wertekultur immer weiter vorantreiben. Ziel ist es, ein noch stärkeres Team zu werden.“ Dies ist auch ein gutes Mittel, um Spieler an den Verein zu binden. Auch neu ist eine Footballserie mit dem Namen: „Four Quarters“. Sie ist im monatlichen Rhythmus geplant und in vier Teile aufgeteilt, wie ein Spiel. Hier erzählt jeder seine einzelne Footballgeschichte. Als erstes geht es darum, wie man zum Football gefunden hat. Im zweiten Quarter geht es um die „Football Education“, also wie man das Footballspielen gelernt hat. Das dritte Quarter beschreibt die aktive Karriere des einzelnen. Im letzten Quarter es um die Zukunft, was nach der aktiven Laufbahn folgen soll. Alexander legt sie jedem ans Herz (Link).

Zusätzlich haben die Wolves eine Leistungsdiagnostik gemacht (wir berichteten – Link). Damit wird eine Basis für den Aufbau gelegt und ggf. werden auch gesundheitliche Probleme aufgedeckt. Teilweise wird diese Leistung von den Krankenkassen übernommen. Selbst hierbei gab es einen sportlichen Wettbewerb, bei dem sich die Spieler überbieten wollten. 

In seinem Lebenslauf gibt Alexander als Skill das Programm „hudl“ an. Wir wollten daher von ihm wissen, warum man es nutzen sollte und wo für die Vereine der Mehrwert ist. Hier ist seine Antwort: „Ich habe die Aufgabe von unserem ehemaligen Head Coach übernommen. Jetzt bin ich der Meinung, dass jedes Team, was sich das leisten kann, es sich auch kaufen sollte. Hier kannst du eine gute Library anlegen, die gerade von neuen Spielern oder Rookies gut genutzt werden kann. Mit hudl kannst du genau aufzeigen: Das ist das System, was wir spielen. Hier ist auch das Playbook verlinkt. Zusätzlich kannst du Drills anschauen. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Wir filmen die Trainingseinheiten und ich sage dir, die Leute sind heiß darauf, das zu sehen. Nach dem Filmen ist jedoch die Arbeit nicht zu Ende, denn nach dem Dreh muss alles beschriftet werden. Das dauert meist genauso lang wie das eigentliche Training. Der Mehrwert von hudl ist auch, dass die Spieler auf ihre Fehler achten und sich verbessern. Auch können sie so besser das Spielsystem erlernen. Die Coaches können mit den Spielern passgenau an der Verbesserung arbeiten. In diesem Jahre werde ich mein Wissen auch der GreenMachine zur Verfügung stellen. Bei den Camps und dem Jugendländerturnier werde ich filmen. Was nicht nur für die jungen Spieler interessant ist: Mit hudl kannst du dir schnell deine eigenen Highlight Videos erstellen.“ 

Bei den Wolves möchte man sofort zu Beginn professionell arbeiten, daher hat man sofort zu Beginn auf die Einbindung von hudl gesetzt. Der Verein möchte gerne auch mindestens einmal aufsteigen, soweit es das Herrenteam betrifft. Bei der U19 ist Alexander Offensive Coordinator und hier hat man eine Spielgemeinschaft mit Kachtenhausen White Hawks gebildet. Sie starten im 9er Tackle. Auch für die U16 gibt es diese Spielgemeinschaft, sie starten im 5er Tackle. Bei seiner Arbeit als Coach sieht es Alexander als Vorteil an, als Betriebsrat tätig zu sein. Er sagt: „Gerade die Rhetorik hilft bei der Aufgabe. Es bringt nicht, wenn du den Brüllaffen machst. Auch bin ich eher der etwas ruhigere Coach. Aber vorsichtig, ich kann auch auf den Tisch hauen. Das können dir die O-Liner bestätigen.“ 

Bei den Minden Wolves ist man noch auf der Suche nach Coaches. Besonders im Jugendbereich werden sie gesucht. Bei den Herren ist die Position des Head Coaches nicht besetzt. Wenn du dich angesprochen fühlst, dann melde dich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Oliver Jungnitsch von NRW Football / Fands.pics war im Gespräch mit Alexander Gonschor von den Minden Wolves

* Starting O-Line der Tampa Bay Buccaneers:  D.Smith (LT), Marpet (LG), Jensen (C), Stinnie (RG) und Wirfs (RT)

 

 

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