Am Pfingstmontag waren wir zu Gast bei den Gelsenkirchen Devils. Es stand das zweite Training nach der Corona-Unterbrechung auf dem Programm. Elf Wochen gab es kein Training und am Pfingstsamstag hätte der 6. Spiel in der Regionalliga stattgefunden. Durch Corona wurde alles wieder auf Anfang gesetzt. Bereits gestern haben wir ein Interview mit dem Devils Quarterback JoJo Werner veröffentlicht (Link zum Interview). Heute bringen wir euch den zweiten und letzen Teil unserer kleinen Fragestunde vom 2. Training der Devils nach der unfreiwilligen Pause. Jetzt stellte sich unseren Fragen der erste Vorsitzende der Gelsenkirchen Devils, Sven Kicza.

Sven Kicza war am Pfingstmontag ein gefragter Interviewpartner (Foto: Oliver Jungnitsch)Sven Kicza war am Pfingstmontag ein gefragter Interviewpartner (Foto: Oliver Jungnitsch)

Oliver von Fands: Sven, meines Wissens hast Du nie selber gespielt. Wie bist Du zu den Devils gekommen?
Sven Kicza: Ja, das stimmt, ich habe nie Football gespielt. Durch meinen Sohn Julian, der in der Schule eine Flag Football AG hatte, bin in mit American Football in Kontakt gekommen. Lustigerweise  haben die Gelsenkirchen Devils an Julian’s Schule in Essen Stoppenberg eine AG angeboten. Da ein Sohn von Harald Wasser,  ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Devils, auch auf der Schule war, war dies möglich. Harald hat die gesamte AG organisiert und Julian ist in das Jugendtraining der Devils eingestiegen. Das ist lange her, da trainierten wir noch am Schürenkamp. Julian hat verschiedene Sportaren ausprobiert, aber nur der Football vermochte es, dass er sofort nach der Schule seine Hausaufgaben erledigte und  frühzeitig beim Training erscheinen wollte. Das hat mich neugierig gemacht und ich wollte mir das mal genauer ansehen. Also war ich häufiger beim Training.  
Fands: Wann war das und was hast Du hier schon so alles gemacht?
Sven: Das war in 2011 als wir dazugestoßen sind. Die Ausrüstung war damals schon teuer, also habe ich Wege gesucht, wie man günstig an Equipment kommt. Zufällig habe ich dann Kontakt zum Crazy Football Shop bekommen und wir haben in 2012 eine Vereinbarung getroffen. Mit dieser konnten unsere Jugendspieler für 200 EUR eine komplette Ausrüstung erhalten. Zwar war der Helm nicht von Schutt oder Riddell, sondern von Xenith. Heute sind die Preise, besonders für Helme durch die Decke gegangen, da werden häufiger schon Preise von 500 bis 600 EUR aufgerufen. Da ich damals um die Ausrüstung gekümmert habe, hat mich Kevin Pomykay zum Equipment Manager gemacht. Das war auch wichtig, denn früher man man die Helme noch mit der Ballpumpe aufgeblasen, dabei brauchst du drei verschiedene Nadeln. Um diese Dinge habe ich ich gekümmert. Wenig später wurde ich zum Geschäftsführer ernannt, da ich überall und nirgends war. Ab 2015 bin ich dann in den Vorstand gewählt worden. Leider gab es auch in dieser Zeit einige unpopuläre Entscheidung, die ich treffen mußte, da das Wohle des gesamten Vereins wichtiger ist, als der  Blick auf einzelne Bereiche. 
Fands: So ohne Wettkampfbetrieb und Training war es eher langweilig als Vorstand oder ging es hinter den Kulissen hektisch zu?
Sven: Es war gemischt, denn eigentlich war alles für die Saison fertig und geplant. Es wurden immer DoubleHeader angesetzt, dadurch hätten wir eine komplette Tagesauslastung der Spielstätten hinbekommen. Auch haben wir alle Heimspiele auf einen Samstag terminieren können, damit wäre für die Seniors ein freier Tag vor dem nächsten Training gewährleistet gewesen. Aber dann hat Corona zugeschlagen! Da fällst du erst einmal in ein kleines Loch. Es war eine Zeit mit viel Unsicherheit. Zu der Zeit war viel Kommunikation erforderlich, besonders mit den Spielern und Coaches. Ab dem Zeitpunkt der Lockerungen sind wir mit den Ansprechpartnern intensiver in den Dialog gegangen und haben ein Trainingskonzept erarbeitet. Dabei spielen unsere Seniors in dieser besonderen Situation die „Versuchskarnickel“.  Die anderen Teams sollen jedoch kurzfristig folgen. Da die Anforderungen für die Jugendteams besonders hoch sind, ist hier die Herausforderung noch einmal höher. 
Fands:Ihr habt von Euch aus den Mitgliedern für den April keinen Beitrag berechnet. Gab es Unruhe von den Mitgliedern oder eher eine besondere Solidarität? 
Sven: Tatsächlich haben wir große Solidarität erlebt! Nachdem wir das mit dem verminderten Beitrag bekannt gegeben haben, sind 90 % auf uns zugekommen und wollten den kompletten Beitrag zahlen. 
Fands: In der letzten Woche wurde ein Beitrag vom DOSB kontrovers aufgenommen. In der Pressemitteilung wurde ein Schaden durch Corona von über einer Milliarde für die deutschen Vereine angeben. Wie sieht es bei Euch aus?
Sven: Uns hat Corona nichts gekostet, ganz im Gegenteil. Zum ersten Training nach der Pause haben wir drei neue Spieler begrüßen dürfen. Alle Drei haben sich sofort bei uns angemeldet.  Corona hat finanziell keine Löcher bei uns hinterlassen. Unsere Coaches haben wir auch in dieser Zeit komplett entlohnt. Unser Vorteil ist, wir haben keine großen Fixkosten wie ein Vereinsheim, Importspieler oder der gleichen. Wir leben hauptsächlich von unseren Mitgliedsbeiträgen, auch haben wir in der Zeit keine Kündigung erhalten. 
Fands: Seit kurzem gibt es wieder ein Footballtraining. Keiner kann sagen wie es in 2020 weitergeht. Diese Möglichkeiten sind im Gespräch: keine Saison mit maximal Freundschaftsspielen oder eine verkürzte Spielzeit. Zur Lagebeurteilung hat der Landesverband eine Onlineumfrage gestartet. Lass uns mal einen Blick in die Glaskugel werfen: was ist für Dich das wahrscheinlichste Szenario für die Regionalliga und was wäre für 2020 dein Wunsch für den weiteren Saisonverlauf?
Sven: Die Umfrage ist schon 14 Tage zuvor and die Vorstände und Head Coaches gegangen. Der Verband möchte wohl jetzt eine Bestätigung der eingegangen Rückmeldungen erhalten. Mein Wunsch wäre ein kompletter Abbruch, bzw. die Aussetzung der Ligen in 2020. Freundschaftsspiele und Scrimmages sollten möglich sein, da wird jedoch die Politik ein Wörtchen mitreden.  Im Fußball gibt es auch noch keine Entscheidungen, wie es mit den Ligen und Hygieneauflagen weitergeht. Freundschaftsspiele müssen wir jedoch machen, denn wir haben einen Kader mit vielen „Frischlingen“. Die brauchen Spielpraxis. Nach den Sommerferien gibt es hoffentlich weiteren Handlungsempfehlungen, damit wir in die Planung gehen können. Auch unsere Fans vermissen uns und unsere Burger. Auch von den Fans gibt es eine große Solidarität. So haben wir eine Spende von 500 EUR von einem Devilfan erhalten. 
Fands:Diese Situation hat sicherlich Dich und Deine Vorstandskollegen bestätigt ohne Imports den Spielbetrieb zu bestreiten. Glaubst Du an einen Sinneswandel in den anderen Vereinen?
Sven: Nein! Es wird keinen Sinneswandel geben. Wenn man die Vereinbarung der GFL1+2 ließt, dann können Importspieler einfacher integriert werden. Wir haben gute Spieler in Deutschland, die einen guten und ansehnlichen Football spielen können. Dafür braucht man keinen Amerikaner, der auf der Position des Quarterbacks, Linebacker oder Runningback den Alleinunterhalter spielt. Ich bin kein Freund davon.
Fands: Lass uns mal einen weiteren Blick in die Glaskugel werfen. Was ist Deine Meinung zur NFL: wie wird es in diesem Jahr dort aussehen?
Sven: Ich gehe davon aus, dass es - wie in unserer Bundesliga - eine Saison geben wird. Aufgrund des Geldes wird das dort durchgezogen. 
Fands: … mit Zuschauern?
Sven: Auch davon gehe ich aus, die werden es des Geldes wegen komplett durchziehen. 
Fands Zum Abschluss muss du als Baltimore Ravens-Fan noch verraten, was erwartest Du  dann von dem Team?
Sven: Ich rechne, wie im Vorjahr, mit den Playoffs. Durch Lamar Jackson haben sie einen jungen Bursche, der sehr gehyped wurde, ihn sollte man jedoch „erden“.  Er hat sich enorm weiterentwickelt, aber mit 23 Jahren ist er noch sehr jung. Man darf aber nicht vergessen, die Ravens haben zwei gute O-Liner verloren und die Lücken mit Rookies geschlossen. Wie das klappt, muss man abwarten. Schauen wir mal! 

Die Fragen für FandS stellte Oliver Jungnitsch. Weitere Informationen zu den Gelsenkirchen Devils haben wir hier verlinkt. 

Bildergalierie zum Training:

Oliver Jungnitsch für Fands

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