Vorbild als Spieler und Trainer

Heute führt uns die Reise in die älteste Plan- und Gründungsstadt Westfalens, nach Lippstadt. Neben den Gebrüdern Rummenigge (Fußball) kommt auch Matze Knop (Komiker) aus dieser Stadt. Seit Januar 2016 wurde das sportliche Angebot im Ort um American Football durch die Lippstadt Eagles ergänzt. Den Spielbetrieb nahmen sie im Jahre 2017 auf und sind bisher zwei Jahre in Folge aufgestiegen.

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Daniel Greitens ist Head Coach und Runningback bei den Lippstadt Eagles - hier seine ersten Punkte beim Debüt als HC (Foto ©Oliver Jungnitsch)

Seit dem 17.05.2018 ist Daniel Greitens Head Coach der Eagles. Damit nicht genug, denn Daniel spielt auch auf der Position des Runningbacks für Lippstadt. Seine Vita ist länger als manches Telefonbuch, daher sind hier nur seine wichtigsten Stadionen: Er beginnt 1999 in der Jugend der Paderborn Dolphins mit dem American Football. Ab 2001 wechselt er in die Herrenmannschaft der Dolphins. In 2003 geht er für ein Jahr nach Bielefeld, da die Dolphins in dem Jahr keine Mannschaft melden konnten. Durchmarsch ab 2004 von Verbands- in die Regionalliga (bis 2014). Von 2015 bis 2017 spielte er für Paderborn in der GFL2. Bei den Dolphins war er 2004, 2008 und 2016 Offense MVP und 2005, 2006, und 2007 Team MVP. 2017 wurde seine Nummer zurückgezogen und er bekam eine Auszeichnung (inklusive Pokal) für sein Dolphins-Lebenswerk. Er ist Sport-, Mathe-, und Politiklehrer an einer Realschule in Paderborn und war 2009 und 2014 Bürgermeisterkandidat in Schloß Holte-Stukenbrock. Genug der Vorrede. 

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Daniel spielte von 2015 bis 2017 für Paderborn in der GFL2 (Foto ©Oliver Jungnitsch)
 
Oliver von F(and)s: Bisher spielte sich dein gesamtes Footballleben in Paderborn ab. Warum hast du die Eagles als Verein gewählt und nicht die Paderborn Dolphins?
Daniel Greitens: Mit 36 Jahren bin ich allmählich zu alt für die 2.Liga geworden. Als Runningback zählt ein schneller Antritt und man sollte dem ein oder anderen Linebacker weglaufen können. Das klappte halt nicht mehr in der GFL2. Irgendwann kann man mangelnde Geschwindigkeit nicht mehr mit Erfahrung ausgleichen. Allerdings wollte ich gerne noch weiterspielen, weil ich im gewissem Maße „süchtig“ bin. Deshalb habe ich bereits ab Ende 2015 versucht eine 2. Mannschaft in Paderborn aufzubauen. Ich hatte für eine solche Mannschaft auch genügend Spieler. Aus organisatorischen Gründen konnten die Dolphins eine 2. Mannschaft aber nicht umsetzen und so blieb mir nur ein anderes Team. Kofi Adomako, der mich bereits von 2003 bis 2007 in Paderborn trainiert hat und mit dem ich gerne zusammengearbeitet habe, sprach mich zeitgleich an und so bin ich bei den Lippstadt Eagles gelandet.
 
Oliver: Was ein Glück für die Eagles. Ihr seid zwei Jahre in Folge aufgestiegen. Bei deinem ersten Spiel als Head Coach waren Nick und ich in Brilon. Das Spiel habt ihr deutlich mit 69:00 gewonnen und sagen wir es so: an dem Tag konnte man einen Klassenunterschied erkennen. In welcher Liga sieht du Lippstadt langfristig?
Daniel: Mittelfristig sehe ich uns in der Regionalliga. Ob es dann noch weiter hoch geht, wird von vielen Faktoren abhängen, die jetzt noch nicht absehbar sind. Vor allem wird entscheidend sein, ob wir weiterhin so einen „Hype“ in Lippstadt und Umgebung verursachen. Dadurch können viele neue Spieler für die Jugend und auch für das Seniorteam akquirieren. Die Jugendarbeit ist das Wichtigste. Wenn man aus der eigenen Jugend gut ausgebildete Spieler bekommt, die sich mit dem Verein und der Stadt identifizieren, dann kann ein Programm wirklich erfolgreich sein.
 
Oliver: Wir haben euch schon häufiger auf dem Spielfeld (Spiele gegen Brilon und Herne) gesehen. Es fällt auf,  bei euch gibt es einige Amerikaner oder zumindest Spieler mit „A“ auf dem Helm. Du selber hast bis vor kurzem auch noch GFL2 gespielt. Wie bekommt ihr so einen Kader zusammen?
Daniel:Für mich hat es ja für die GFL2 nicht mehr ganz gereicht. Deshalb nehme ich mich mal aus dieser Aufzählung heraus. Die Spieler mit dem „A“ sollen unsere deutschen Spieler besser machen. Natürlich spielen die auch. Aber wenn wir wirklich irgendwann in die Regionalliga oder sogar GFL 2 wollen, dann brauchen wir eine gute Basis, die aus deutschen Spielern besteht, die am Besten keine „Söldner“ sind. Das wird sich aber nicht ganz verhindern lassen. Wir bieten den Jungs mit dem „A“ ein nettes Umfeld und nutzen einen Mix aus Kontakten, Chaos und Planung, um so einen Kader aufzustellen.
 
Oliver: Chaos? Das klappt bisher bei euch hervorragend. Du bist nicht nur Head Coach, sondern spielst auch auf der Position des Runningbacks. Auch ist es nicht das erste Mal, dass du als Spielertrainer fungierst. Was sind die Besonderheiten oder wo siehst Du Vor- oder Nachteile hierbei? 
Daniel: Da ich weder Offense Coordinator noch Defense Coordinator bin, sehe ich auf dem Feld keine Nachteile. Offense Coordinator und Runningback, dabei bestünde für mich die Gefahr, dass man sich selbst überschätzt und den „Helden“ spielen möchte. Als Offensespieler höre ich auf meinen Offense Coordinator. Wenn ich raus soll, dann gehe ich auch raus. Ich gestalte die Hierarchie im Trainierstab und in der Mannschaft sehr flach. Ich denke, das hilft dabei Konflikte oder Probleme als Spielertrainer zu verhindern. Dennoch wissen meine Spieler, dass ich mir jederzeit das Recht rausnehmen kann, selbst aufs Feld zu gehen. Das hab ich bis jetzt zwei oder drei mal in Specialteams gemacht. Die Bilanz dieser meiner Entscheidungen kann sich zum Glück sehen lassen. Einen Vorteil sehe ich nicht, wenn man als Spielertrainer selbst auf dem Platz ist. Es ist immer besser, wenn jemand von außen das Spielgeschehen lenkt. Ein Außenstehender sieht mehr als jemand der auf dem Feld steht.
 
Oliver: Du hast einiges im Football als Spieler erreicht, die Auszeichnungen sprechen für sich. Die Position des Runningbacks wird häufig in den höheren Ligen durch Amerikaner besetzt. Welchen Tipp hast du für mich, damit ich ein guter Runningback werden kann?
Daniel: Meine Trainingsbeteiligung seit 1999 liegt sicherlich bei 98%. Außerdem habe ich noch zusätzlich bei der Unimannschaft trainiert und gespielt. Ich glaube im Training „11 gegen 11“ zu spielen ist das Wichtigste. Nur so kann man, unabhängig von der Positionen, besser werden. Zudem muss man sich auch außerhalb des Trainings mental mit den Spielzügen und vor allem den Spielsituationen beschäftigen. So gewinnt man Sicherheit auf dem Platz. Ein wenig Talent und viel Spaß an der Sache sind ebenfalls wichtig. Dann ist man nämlich auch mal so bekloppt und übt an Brückenpfeilern und im Wald das Rausdrehen, schnelle Richtungswechsel und das Springen über Gegner. All das hat für mich, wie es mein alter Head Coach Dirk Ruloffs einmal gesagt hat, dazu geführt, dass ich weit über mein gegebenes Talent gespielt habe.
 
Oliver: Du unterrichtest als Lehrer auch Sport in einer Realschule in Paderborn. Hier steht die Pädagogik im Vordergrund. Beim American Football wird häufig der Bezug zum Militär gezogen. Wie kannst Du die Gegensätze vereinigen oder wie klappt das in der Praxis? 
Daniel: In meiner Schule bin ich als Lehrer bekannt, der klare Ansagen macht. Ein gewisses Maß an Disziplin und gutem Verhalten sind in der Schule auch wichtig, damit Verletzungen im Sportunterricht vermieden werden können. Allerdings setzte ich das nicht (nur) durch drakonische Strafen oder eine übermäßige Autorität durch. Ich vermittle den Schüler*innen, dass ich selbst Spaß an der Sache habe und versuche ein gutes Vorbild zu sein. Für einen Footballtrainer gebe ich dagegen wohl ein wesentlich „weicheres“ Bild ab. Allerdings gilt auch hier, dass ich als Vorbild wirken möchte und so die Mannschaft in die richtige Richtung bringe. Nur, weil ich als Head Coach die Spieler stramm stehen lasse oder sie anschreie, werden sie nicht besser. Man muss mit den - meistens jungen – Leuten auch pädagogisch arbeiten. In meinen 20 Footballjahren habe ich da einiges an Versagen erlebt. Ich kann nicht verlangen, dass die Spieler mit dem Kopf im Spiel sind, wenn ich selbst nur an der Sideline quatsche. Ich kann nicht verhindern, dass die Spieler sich dem Schiedsrichter gegenüber respektlos verhalten, wenn ich selbst nicht den nötigen Respekt zeige. Ich muss bereit sein Ansagen umzusetzen, auch wenn ich selbst als Spieler davon betroffen bin. Und ich muss vor der Mannschaft und einzelnen Spielern und Trainern auch von selbst aus zugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe. Weder als Lehrer noch als Trainer bin ich ein gottähnliches Wesen. Das muss allen am Spiel beteiligten bewusst sein. Aber ein Spieler muss auch wissen, wann es Zeit ist ruhig zu sein. In diesem Spannungsfeld muss man dann versuchen das Beste für alle zu erreichen. Mit diesen Dingen habe ich - denke ich zumindest – ein diszipliniertes Team geformt, was mich bis jetzt in meiner Arbeit bestätigt.
 
Oliver: Zum Abschluss noch eine Frage zum Testspiel gegen deinen alten Verein, die Paderborn Dolphins. Du kennst das Playbook und Spieler. Deshalb kann meine Frage nur lauten: Wie hoch gewinnt ihr? ;-)
Daniel: Ich kenne nur noch wenige Spieler, weil Paderborn in den letzten Jahren einen enormen Umbruch erlebt hat. Das begann schon nach der Saison 2016. Viele alte Spieler sind gegangen. Dafür sind neue Spieler aus der Jugend hochgekommen, die mit mir nie auf dem Feld gestanden haben. Auch der Offense Coordinator und Defense Coordinator sind neu. Von daher kann ich leider nicht wirklich von meiner „Dolphinserfahrung“ profitieren. Wir möchten den Dolphins schon ganz gut Paroli bieten. Ich bin auch davon überzeugt, dass wir zumindest mit der D-Line die ein oder andere Aktion zeigen können. In der Offense werden wir auch ein paar interessante Dinge zeigen, die hoffentlich für ein wenig Sorgenfalten bei den Paderbornern sorgen werden. Ich hoffe einfach, dass dieses Spiel viele Zuschauer nach Lippstadt lockt, um uns noch bekannter zu machen. Mit gutem Football und unserem Rahmenprogramm können wir dann hoffentlich ein paar neue Stammzuschauer gewinnen.
 
Oliver: Dafür drücke ich euch die Daumen und vielen Dank für das tolle und sehr informative Interview! Wir werden immer wieder mal von euren Spielen berichten. Hast du ein paar Schlussworte für uns?
Daniel: Ja, ich wünsche allen Footballfans eine spannende Saison 2019 und hoffe, dass man sich mal in Lippstadt im Waldschlösschen sieht.
 
Oliver Jungnitsch führte das Interview mit Daniel Greitens für fands/NRW Football. Wer weitere Informationen zu den Lippstadt Eagles sucht, wir haben sie hier verlinkt. 
 

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