Frank Horn kennen wir aus der Zeit 2015 bis 2016, als er bei den Cardinals im Coaching Staff war. Er hat zwei kleine Kinder und zog sich daher etwas vom Sport zurück. Nun ist er eher beratend im Hintergrund tätig. 

Frank Horn bei seiner letzten Trainerstation in Essen (Foto: Hubert Bädorf)Frank Horn bei seiner letzten Trainerstation in Essen (Foto: Hubert Bädorf)

Wer sein Facebook-Profil kennt weiß, dass er Fußball mag und besonders den FC St. Pauli. Über einen alten Freund aus der Bundeswehrzeit, der in Flensburg wohnt, hat er einiges von den Dingen rund um das Hamburger Team mitbekommen. Besonders beeindrucken ihn die Fans, die Stimmung im Stadion und die soziale Haltung des Vereins und er sagt: „Die machen geile Sachen dort. So produziert St. Pauli seine Trikots selbst, denn man will sicher gehen, unter welchen Bedingungen, diese gefertigt werden. Damit wollen sie unteranderen Kinderarbeit ausschließen oder andere soziale Ungerechtigkeiten.“

Frank hat in der Zeit von 1983 bis 1989 bei den Wuppertal Greyhounds gespielt. Seine Position nannte man früher „Flankerback“. Heute würde man von einem Inside Receiver sprechen. Aufgrund seiner Statur wurde er gerne unterschätzt, denn sein Vorteil war seine Schnelligkeit. In dieser Zeit waren die Greyhounds irgendwo im Bereich der 5. Liga unterwegs. 1990 wechselte Frank in die 2. Liga zu den Solingen Hurricans. Dort erlebte er im Jahre 1992 den Aufstieg in die erste Liga. Nach einer Schulterverletzung beendete er mit Ende 20 seine aktive Footballlaufbahn. Ob er heutzutage noch einmal mit dem Football beginnen würde, kann er nicht hundertprozentig sagen, denn Frank merkt an: „Früher waren viele Spieler im American Football, die in anderen Sportarten nichts werden konnten. Heute ist das ganz anders, denn es sind jetzt hier richtige Athleten unterwegs. Sie könnten auch fast jeden anderen Sport machen. Seinerzeit hat mir mein Herz geholfen. Das ich für den American Football empfinde.“

 

Frank lernte viel am Carson Newman College

Da Frank noch vom Football Fieber gepackt war und weiterhin etwas machen wollte, begann er mit dem Coaching. Seine erste Station war im Jahre 1992 die Spielgemeinschaft von Remscheid Amboss und den Greyhounds als Jugendtrainer. Frank berichtet: „Es war zu der Zeit schwer an brauchbare Unterlagen zum American Football zu kommen. Da hast du alles an Büchern aus den USA genommen, was man bekommen konnte. Je nach verfügbaren Geldern hat man sich auch Collegespiele von Pontel auf VHS-Kassetten schicken lassen. Wenn man überlegt, wie einfach es heute alles geworden ist.“ Besonders viel hat er vom Football, den Trainingsmethoden und dem Spielsystem am Carson Newman College gelernt. Als Coach hatte Frank immer das Ziel sich zu entwickeln und nicht andere Trainer zu kopieren. „Denn nur durch eine eigene Persönlichkeit ist man glaubwürdig“, so Frank. Aktiver Sport gehört auch weiterhin zu seinem Leben dazu. Heute ist es das Laufen, Krafttraining, Tennis und auch Golf. „Wenn du als Coach nicht die Sachen vormachen kannst, die du von den Spielern sehen willst, dann hast du ein Problem. Du musst auf Augenhöhe mit dem Team bleiben.“, erklärt er uns. 

 

Auch Sebastian Vollmer war mal in seinem Team

1996 begann er im Herrenbereich zu coachen und das bei dem Verein, bei dem er als Spieler seine aktive Karriere beendete, den Solingen Hurricans. Sein 2. Liga Engagement dauerte zwei Jahre an. 1997 begann er als DB-Coach bei dem Vorläufer der heutigen GreenMachine, der Jugendauswahl NRW. Später wurde er dort Offensive Coordinator. Dieses passierte nicht geplant, sondern eher zufällig. Dazu war von Peter Springwald etwas „Überzeugungsarbeit“ erforderlich. Dieses Muster galt auch ein Jahr später für sein Engagement als Offensive Coordinator bei der Jugendnationalmannschaft. Hier sammelte er mit den Teams 1. und 2. Plätze. In der Zeit von 1997 bis 2004 kamen insgesamt vier 1. Plätze und fünf 2. Plätze heraus. Einer seiner Schützlinge aus dieser Zeit kennt ein jeder, der nur etwas vom American Football gehört hat: Sebastian Vollmer. Frank kennen und schätzen wir als bescheidenen Menschen, so sagt er auch: “Es wäre vermessen zu behaupten, ich hätte Sebastian zu einem besseren Spieler gemacht. Er war, wie viele andere auch, ein Teil meines Teams. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

 

Warum haben deutsche Quarterbacks es so schwer

Im Gespräch arbeiten wir heraus, was man als deutscher Quarterback doch für eine undankbare Position hat: Jeder auf dem Feld darf Fehler machen, aber einem Quarterback verzeiht man sie nicht so leicht. Fehler gehören jedoch zur Entwicklung und zum Lernprozess dazu. So ist Franks Credo: „Je mehr du dir weh tust, umso mehr lernst du. Ein Pick6 schmerzt, aber er gehört zum Lernprozess dazu. Hier liegt aber die Krux: Quarterbacks aus den USA haben diese Erfahrungen häufiger gemacht als deutsche Spieler. Somit haben die Amerikaner diesen Lernprozess meist schon hinter sich und kennen viele Gefahren, die auf dem Spielfeld auf sie lauern.“ Hier sieht er auch den Hauptgrund, warum in den oberen Ligen kaum deutsche Quarterbacks viele Spielanteile haben. Die Vereine nehmen lieber einen Import für diese Position. Frank ist sich aber sicher, wenn man den „Jungs“ Zeit gibt, dann funktioniert es auch. Ein gutes Beispiel ist für ihn Marco Ehrenfried. Ein Quarterback muss das Spiel lesen, er muss erkennen, was die Defense machen wird. Diese Fähigkeiten kann man nicht nur durch Coaching erlernen. Man sollte sich so viele Spiele wie möglich ansehen und davon partizipieren. Frank fallen sofort zwei ehemalige Spieler von ihm ein, die dies sehr gut beherrschten: Fabian Schorn und Dennis Zimmermann. 

Irgendwie kommt an in diesen Tagen in deutschen Football nicht um das Thema „ELF“ herum. Frank sieht es so: „Alles was für den American Football gemacht wird ist genial! Man muss aber auch auf Probleme hinweisen: So ist für mich die ELF eine Mogelpackung. Warum? Es wird versprochen, dass sich deutsche Spieler durch diese Liga weiterentwickeln. Das tun sie auch in der GFL. Hier muss man als gute Beispiele die Crocos und Monarchs nennen. Dort wird eine gute Arbeit, insbesondere Aufbauarbeit geleistet. Bei der ELF geht es schlicht und einfach um Geld. Das ist okay, wenn man hauptsächlich Geld verdienen will, aber man sollte es auch dann so sagen.“ Bisher sind für die Herrenteams nur Spiele der GFL (1+2) und der ELF in Sichtweite. Frank hofft noch auf die Regionalliga, denn ein weiteres Jahr ohne Auf- und Abstiege ist befremdlich und aus sportlicher Sicht nicht gut. Es fehlt der Anreiz für die Teams.

 

Auf was achtet ein Auswahl-Coach

Wenn wir schon einmal einen Auswahlcoach der „GreenMachine“ und der Nationalmannschaft auf den Zahn fühlen können, wollten wir von ihm wissen, was für ihn bei der Auswahl von Spielern wichtig ist. Hier ist seine Antwort: „Bevor man mit der Auswahl beginnt, muss man zunächst entscheiden: suche ich Spieler und passe mein System an oder suche Spieler, die in mein System passen. Ich habe mir eher Spieler ausgesucht, die in mein System passen. Es müssen nicht die besten Einzelspieler sein, sondern die besten Teamplayer! Da achtest du auch auf das Verhalten neben dem Platz. Bei allem was gemacht wird, ist Schnelligkeit wichtig. Hier liegt ein weiterer Fokus bei der Auswahl. Wenn mich einer fragt, was Jugendspieler neben dem normalen Training machen sollen, ist mein Tipp: Speedtraining und Cuts. Das Krafttraining kann man später einfügen. Wichtig ist auch der Einsatz und das „Herz“ für den Sport.“ Hier ist Frank ein Ereignis aus der Jugendnationalmannschaft besonders in Erinnerung geblieben. Es war üblich nur zwei Quarterbacks zu den Spielen mitzunehmen. Frank setzte sich jedoch für einen Dritten ein, der sich im letzten Spiel seine rechte Wurf Hand brach. So weit so schlecht. Dieser Spieler ließ sich jedoch nicht entmutigen und trainierte mit und wechselte unversehens seinen Wurf Arm.  Frank erinnert sich: „Nach zwei Tagen war er so gut, dass er einen Complete Pass werfen konnte. Da war was los im Team! Es hat alle mitgerissen.“ Das ist Football Herz, wie es nicht nur Frank mag. 

Frank und wir freuen uns besonders auf alles was es in diesem Jahr an deutschen Football geben wird. Besonders sind wir auf die GFL1+2 gespannt. Jede weitere Liga, die spielen darf, ist Bonus. Alternativ nehmen wir auch gerne Freundschaftsspiele. Auch werden wir die ELF verfolgen, wenn es gut wird – prima, wenn nicht, dann waren wir wenigstens „dabei“. Schwer wird es sicherlich für ELF, man kann nur hoffen, dass es nicht die deutsche Ausgabe der XFL wird.

Football-Vita von Frank Horn: 
Als Spieler:
1983 – 1989 Wuppertal Greyhounds
1990 – 1992 Solingen Hurricanes
Als Trainer:
Juniorenbereich
- 1992 – 1994 Offensive Coordinator Jugend-Spielgemeinschaft Amboss und Greyhounds
- 1997 – 2004 Offensive Coordinator Jugendauswahl NRW (heute Green Machine)
                - 2 x 1. Platz und 3 x 2. Platz
- 1998 – 2004 Offensive Coordinator Jugend-Nationalmannschaft
                - 2 x 1. Platz und 2 x 2. Platz
Seniorenbereich
- 1996 – 1998 Offensive Coordinator Solingen Hurricanes (2. Bundesliga)
- 2000 – 2001 Offensive Coordinator Bochum Cadets (2. Bundesliga)
- 2015 – 2016 Quarterback Assindia Cardinals

Oliver Jungnitsch von NRW Football / Fands.pics führte ein Interview mit Frank Horn (10.05.2021)

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